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Antwort auf den Kommentar von Herrn Bohnen (12.12.2008)

Thomas Korte

12.12.2008




Lieber Herr Bohnen,

vielen Dank für Ihren Kommentar.

Wir sind nicht auf der Suche nach den Skandalen. Die fallen ja in der Regel auf, schlagen Wellen und führen zu vernehmbaren Reaktionen - auch bei den Hörern.
Uns geht es um die kleinen journalistischen Sünden, die das Radio immer mehr verändern und die die Hörer oft gar nicht mitbekommen.


Es ist nicht verboten, fertige Hörfunk-Beiträge als PR-Maßnahmen zu produzieren und den Redaktionen anzubieten. Das ist auch kein Skandal. Es ist oft genug auch gut gemachte Arbeit, die sich ohne großen Schnitt prima versenden lässt.


Doch genau an der Stelle stellen wir die kritischen Fragen:
Wie kommt so ein werbewirksamer Radio-Beitrag bei den Hörern an?
Sie glauben, dass ein vom jeweiligen Thema/Produkt unabhängiger Journalist den Beitrag bearbeitet und die Informationen zusammengestellt hat oder in einem vermeintlichen Live-Interview auch die Fragen stellt.

Dabei ist es völlig zweitrangig, ob es Infos vom Grünen Kreuz, vom Roten Kreuz, vom Bundesgesundheitsamt, vom ADAC, den Grünen, Gelben, Roten oder Schwarzen, von der Bundeszentrale für Politische Bildung oder von kommerziellen Unternehmen oder Institutionen sind.
Doch sie alle verfolgen eine ganz bestimmte Absicht: Sie wollen ihre Lobbyisten-Botschaft möglichst unverändert unters Volk zu bringen. Und genau das wird den Hörern nicht bewusst. Denn welcher Moderator verweist in seiner Anmoderation darauf, dass es sich um die Versendung einer kostenfreien Fremdproduktion handelt?


Mit der Ausstrahlung eines fertigen Beitrages nehmen sich Journalisten selbst die Chancen zu hinterfragen.
Sie nehmen bewusst eine einseitige Informationslage hin. Damit stellen sie ihre eigene Arbeit - um nicht "Berufsethos" zu sagen - in Frage.

Welcher Journalist übernimmt schon Wort für Wort die Pressemitteilung eines Politikers, eines Unternehmens, einer Institution? Nur eine sauber nachrecherchierte Information gehört in die Ohren der Hörer - und das ist die Aufgabe von Journalisten. Das gilt im Übrigen für alle Medien.

Je nachdem, wo und auf welcher Seite des Informationsaustausches man als Redakteur arbeitet, kann man diese Auffassung nachvollziehen und sie vielleicht auch umsetzen oder als "Wo ist der Skandal?" abtun.

Die Frage bleibt nur: was erwarten eigentlich die Hörer von Radiosendungen und Beiträgen, die offiziell von Journalisten produziert werden?

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Korte, Hörfunk-Journalist, Korbach



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